Surflehrer für Unternehmen – über Strategie und Intuition

„Was machen Sie eigentlich, wenn Sie in ein Unternehmen gerufen werden?“ – so fragte mich bei einem Wirtschafts-Apero ein Teilnehmer, als wir nach einem Vortrag an einem der Stehtische ins Gespräch kamen. Und vielleicht, weil ich am Tag zuvor auf dem See war, das erste Mal in diesem Jahr auf dem Brett, kam mir spontan als Antwort in den Sinn:

„Ich bin Surflehrer für Unternehmen.“ 

Das sagte ich aus dem Bauch heraus und war im ersten Moment genauso erstaunt wie mein Gegenüber über diese Formulierung.

Aber im zweiten Moment, als er nachfragte, was das denn bedeute, und ich ihm dies in aller Kürze erklären konnte, wurde mir bewusst: Das trifft es sehr gut, was ich mache, weil eine solche Herangehensweise in Unternehmen oft fehlte. Leider immer noch fehlt.

Surfen ist Vorbereitung

Eines der ersten Dinge, die ich vor gut einem Vierteljahrhundert in Hawaii gelernt habe, als ich das erste Mal gesurft bin, war: Ein erfahrener Surfer paddelt an einem ihm unbekannten Spot nicht einfach hinaus. Er beobachtet zuerst die Bedingungen. Die Höhe der Wellen, ihre Geschwindigkeit. Wie verhält sich der Wind? Er spricht mit anderen über den Surfspot, über die Strömung, den Untergrund, über ihre Erfahrungen mit den Wellen und mit dem Wind vor Ort. Er informiert sich über das Wetter, auch über das Wetter weiter draußen auf dem Meer, um einschätzen zu können, wie sich weiter draußen, etwa bei einem Sturm, die Wellen bilden und welche Wellen in Zukunft ankommen werden. 

Surfer wollen heil nach Hause kommen, egal wie waghalsig ihr Tun für Aussenstehende wirkt und wie gewaltig die Wellen auch sind. Deswegen sind erfolgreiche Surfer sehr gut vorbereitet, um nicht in der „Waschmaschine“ zu landen, also von den Wellen unkontrolliert unter Wasser herumgewirbelt zu werden. Das heißt, sie kennen nicht nur den Surfspot, sondern sie kennen auch ihr Material und sie kennen sich selbst. Wenn sie ihren nächsten Wellenritt angehen, dann ist die strategische Komponente sehr hoch. Sie schauen voraus, sie überlegen genau, was sie brauchen, ob der Moment stimmt. 

Die richtige Strategie ist ein Teil des Respektes, den sie vor der Gewalt des Elementes Wasser haben.

Aber dieses strategische Element, und das ist im Business nicht anders, ist nur ein Teil der Wahrheit …

Surfen ist Gefühl

Natürlich profitierte ich schon bei meinen ersten Versuchen beim Wellenreiten von meinen Erfahrungen als Windsurfer, mein Standing war ein anderes als das eines Menschen, der noch nie auf einem Brett gestanden hat. Aber ohne Segel, das einen pusht, an dem man sich auch festhalten kann, wirken die Wellen doch ganz anders auf einen ein. Und ein großer Unterschied ist: Beim Windsurfen pusht einen der Wind, er treibt einen an. 

Aber beim Wellenreiten müssen Sie paddeln, um zu den Wellen zu gelangen, die Sie reiten können und reiten wollen. Und Sie müssen an der richtigen Stelle geduldig warten, bis eben die richtige Welle für Sie kommt. Surfen ist einen Großteil warten und eben dann abschätzen können, ob Sie an der richtigen Stelle sind, ob das jetzt die richtige Welle ist, die Sie nehmen sollten, weil sie einen tollen Ritt verspricht, weil sie Ihrem Können entspricht.

Für diese Abschätzung brauchen Sie Intuition und Timing. Ein Gefühl, das sich aus Ihren Erfahrungen und aus Ihren strategischen Erwägungen bildet. Denn die Erfahrungen und die Strategie erzählen nie die ganze Geschichte. Erst die Intuition und Timing lässt einen erfolgreichen Surfer die Entscheidung für oder gegen eine Welle treffen.

Wie Unternehmen Wellen reiten

Beides, Strategie und Intuition, sind Aspekte, die in Unternehmen oft zu kurz kommen. Weil das Tagesgeschäft den Führungspersönlichkeiten den Fokus auf die strategische Vorausschau nimmt. Weil oft unterschätzt wird, wie wichtig Intuition für Entscheidungen ist.

Das Leben bewegt sich in Wellen. Das Business auch. Zum Beispiel Wellen aus der Technologie, aus geopolitischen Verschiebungen, aus veränderten Märkten. Veränderungen an irgendeiner, vielleicht weit entfernten Stelle des Systems lösen eine Welle aus, die dann auf uns zurollt.

Viele Unternehmen sehen die Welle erst dann, wenn sie bereits da ist. Wenn alle darüber sprechen. Wenn der Druck steigt. Wenn plötzlich jeder „unbedingt etwas machen“ muss. Das können Sie beim Thema „KI“ sehr gut beobachten. Innerhalb kürzester Zeit entstehen Diskussionen, Strategien, Taskforces und Investitionen – oft noch bevor die eigentliche Frage geklärt wurde: Warum tun wir das überhaupt? Brauchen wir das überhaupt und wenn ja, in welchem Umfang und in welcher Art und Weise?

Erfahrene Surfer haben etwas Entscheidendes verstanden: Nicht jede Welle muss geritten werden.

In Unternehmen entsteht aber oft eine Dynamik, bei der Geschwindigkeit mit Klarheit verwechselt wird. Wenn Wettbewerber laut kommunizieren, Medien Erwartungen erzeugen oder intern das Gefühl entsteht, man dürfe „den Anschluss nicht verlieren“. Wer zuerst handelt, gilt als mutig. Wer abwartet, wirkt zögerlich. Dabei kann kontrolliertes Warten hoch strategisch sein. Denn häufig sind nicht die ersten Wellen die besten, sondern die zweite oder dritte.

Leider sind die Skills, die beim Surfen gelernt werden, unter Führungspersönlichkeiten noch zu selten. Denn Märkte verhalten sich wie Wellen: Ihre Dynamik ist nicht mehr planbar, sie sind auf eine Weise komplex, die Entscheidern eine andere Herangehensweise abverlangt, als sie in der Vergangenheit zum Erfolg geführt hat. Wer weiss, vielleicht wäre Surfen ja auch etwas für Sie.

Ihr Markus Hotz

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Geld als Werkzeug von Freiheit

Egal, ob aus dem Engadin, von Hawaii oder von einem anderen schönen Plätzchen dieser Welt: Markus Hotz schickt Ihnen Geschichten aus seinem Leben als Transformator, schenkt Ihnen Denkanstösse und versetzt Ihnen den manchmal nötigen Push in einer Zeit der Veränderung – ohne Jammern, dafür mit ansteckendem Tatendrang. Und weil sein Sport bei ihm eine hohe Priorität hat, auch sicherlich nicht zu oft.

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