Möglichkeit, Manipulation, Sklaverei, Leben für die Firma

Die Möglichkeit im Schafspelz

Geschäftsführer wollen ihren Mitarbeitern immer wieder neue Möglichkeiten bieten. Die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln, sich fortzubilden und sich am Arbeitsplatz frei zu entfalten. Wozu? Klar, die Mitarbeiter sollen produktiver werden und bessere Ergebnisse für das Unternehmen liefern.

Oftmals hochgelobt für ihr innovatives Arbeitsumfeld werden die grossen Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon. Dort finden Sie eine komplette Infrastruktur vor: Fitnessstudio, Bar, Kindertagesstätte. Apple hat sogar einen eigenen Park, damit die Kreativköpfe zwischendurch neue Energie tanken können. Wozu also noch das Firmengelände verlassen? Vielen Dank, liebe Chefs, für so viele Möglichkeiten …

Moderne Sklaverei

Es wäre tatsächlich sehr nett, wenn Geschäftsführer grosszügige Möglichkeiten bieten würden. Das, was ich hier erwähnt habe, sind allerdings keine Möglichkeiten. Das ist Manipulation!

Und ich gehe sogar noch weiter: Für mich ist das Überangebot an Möglichkeiten am Arbeitsplatz eine moderne Form der Ausbeutung, der modernen Sklaverei – nur eben gut verpackt. In den Unternehmen wird ein pseudosoziales Umfeld aufgebaut. Die Angestellten verlassen ihr Arbeitsumfeld gar nicht mehr. Alles, was sie tun, machen sie im Rahmen und im Interesse der Firma. Da entsteht eine eigene Parallelwelt. Gerade bei Facebook soll jeder interaktiv möglichst gut vernetzt sein, Kontakt zur Aussenwelt besteht aber kaum noch. Warum auch? Intern gibt es ja alles.

Lebensraum Firma

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Ich bin garantiert der Letzte, der sich neuen Arbeitsformen in den Weg stellt – im Gegenteil. Ich selbst bin ein grosser Fan von Neuem. Und natürlich ist es auch toll, wenn sich die Firma für den Mitarbeiter engagiert und sich sogar intern um dessen Work-Life-Balance kümmert. Es ist auch schön, wenn Angestellte die Freiheit haben, während eines Motivationstiefs ein Workout einzulegen. Viel besser als sich durch den Tag zu quälen und am Abend zu erschöpft zu sein, um Sport zu machen.

Das alles wäre vorbildlich – WENN es Möglichkeiten wären und keine Manipulation. Wenn das Kind in die unternehmenseigene Kindertagesstätte gebracht wird, die Mitarbeiter in der Hauskantine essen und im internen Fitnessstudio trainieren, im eignen Park spazieren gehen und in der Firmenbar den Tag ausklingen lassen, dann ist das doch ein zentralistisches System, das jeglichen Austausch mit Externen verhindert. Hier treffen Sie natürlich niemanden an, der Ihnen eventuell von einem anderen Jobangebot in einem noch tolleren Unternehmen erzählt oder von den vielen neuen Fortbildungsmöglichkeiten.

Vaterrolle Chef

Solche Mechanismen müssen sowohl Geschäftsführer als auch Mitarbeiter erkennen und zwar in großen und auch in kleinen Firmen. Denn dort gibt es ebenfalls Manipulationen. Das zeichnet sich beispielsweise ab, wenn Geschäftsführer ihre Mitarbeiter in eine gewisse Abhängigkeit bringen. Die Mitarbeiter bekommen ein gutes Gehalt und der Chef informiert sich regelmässig, ob es denn auch privat rund läuft. Sie werden intern weitergebildet, werden in die neueste Firmensoftware eingearbeitet und bekommen alle firmeninternen Neuerungen präsentiert. Blöd nur, dass sie mit diesem Wissen im Unternehmen nebenan nichts anfangen können. Es ist ein bisschen wie bei der Kindererziehung: Die Eltern erziehen die Kinder so, dass sie mit 18 Jahren theoretisch alleine lebensfähig sind. Die Kinder sind dann beispielsweise in der Lage, ein eigenes Konto zu führen, aber wenn es um die Steuererklärung geht, dann ist man eben doch noch abhängig von Mama und Papa.

Das Gleiche macht die Führungskraft: Sie kümmert sich darum, dass es dem Mitarbeiter gut geht und er das nötige Wissen hat – intern. Sie stellt ihn auf eigene Beine, und zwar so, dass er im eigenen Unternehmen gehen kann – nicht aber in der weiten Welt. Interne Referenzpunkte sind wichtiger als externe. Das ist in meinen Augen der falsche Ansatz.

Unternehmensauszeit

In diesem Laufgitter bleibt dem Einzelnen kaum eine Möglichkeit, sich selbst und seine Persönlichkeit zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Ich bin aber der Überzeugung, dass jeder Arbeitnehmer sich so weiterentwickeln kann, darf, soll und muss, dass er an den Punkt kommt, wo er beim Vorgesetzten um eine „Unternehmensauszeit“ bittet. Es sollte problemlos möglich sein, den Betrieb für beispielsweise zwei bis drei Jahre zu verlassen, um sich neuen Herausforderungen zu stellen, den eigenen Horizont zu erweitern und dann wieder in das alte Unternehmen zurückzukehren. Glauben Sie mir, davon würden beide Seiten profitieren. Leider wird der Bitte der Auszeit oft nicht nachgekommen, weil sie als nicht loyal gegenüber der Firma betrachtet wird.

Das erinnert mich an ein Gespräch, in dem ein Vorstandsmitglied den CEO fragte, warum das Unternehmen so viel in die Mitarbeiter investiere. Schliesslich bestehe ja die Gefahr, dass diese die Firma wechseln. Die Antwort: „Stellen Sie sich vor, wir würden nichts investieren, sie entwickeln sich nicht weiter und bleiben bei uns.“

Kein Mensch sollte in seiner Entwicklung zurückgehalten werden. Vielmehr dürfen Unternehmen ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, auch Interessen ausserhalb des Betriebs zu haben und sich auch an externen Referenzpunkten zu orientieren. Eben wahre Möglichkeiten bieten.

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Egal, ob aus dem Engadin, von Hawaii oder von einem anderen schönen Plätzchen dieser Welt: Markus Hotz schickt Ihnen Geschichten aus seinem Leben als Transformator, schenkt Ihnen Denkanstösse und versetzt Ihnen den manchmal nötigen Push in einer Zeit der Veränderung – ohne Jammern, dafür mit ansteckendem Tatendrang. Und weil sein Sport bei ihm eine hohe Priorität hat, auch sicherlich nicht zu oft.

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