Es war einmal … Nein, kein Märchen. Sondern ein Tag vor mehr als drei Jahrzehnten, an dem ich eine lebensverändernde Entscheidung traf.
Ich war damals neu als Skilehrer in St. Moritz und so versuchte ich, schon für den nächsten Winter neue Kunden zu akquirieren. Und es klappte: Einige Tage war ich mit einem Amerikaner gefahren, der wollte mich nun für weitere Tage buchen. Und er engagierte mich für zwei Wochen im Jahr darauf. Super.
Doch dann rief mich ein Kollege an und sagte: „Ich habe hier eine Familie, die haben ein Haus in St. Moritz, die brauchen jetzt für die kommenden Tage einen Skilehrer. Die sind sehr anspruchsvoll, vor allem er. Er ist Unternehmer, deswegen habe ich an Dich gedacht. Ich will unbedingt, dass du den Job machst. Dann habe auch ich ein gutes Standing.“
Zunächst sagte ich meinem Kollegen ab, schliesslich hatte ich ja schon ein Engagement. Er liess aber nicht locker und bat mich, eine Nacht darüber zu schlafen. Er brauche bis morgen die Entscheidung.
Und was tat ich? Rational entscheiden? Nein, ich tat etwas, von dem in Businesskreisen bei einer Entscheidung gesagt wird: „Das ist verrückt!“ Denn ich fragte mich: „Was sagt dein Gefühl?“ Was sagt mir mein Gefühl, wohin der Weg geht? Und dann spürte ich, in welche Richtung es mich zog.
Ich sagte dem Amerikaner ab und der Familie zu. Weil ich bei dieser Entscheidung ein gutes Gefühl hatte. Das Ergebnis war für mich lebensverändernd. Aus dem Engagement von einigen Tagen wurde eine Zeit von 16 Jahren, in der wir regelmässig zusammen Ski gefahren sind. Der Unternehmer wurde mein väterlicher Mentor. Ich habe unglaublich viel gelernt, über die Welt, über das Business.
Also doch ein Märchen, weil ich mich auf mein Gespür verliess, auf ein Gefühl? Nein! Ich würde sagen: Auch für Ihr Business eine ernstzunehmende Option.
Warum die wichtigsten Entscheidungen nicht im Kopf entstehen
Die meisten Menschen sind es gewohnt, ihr Leben – und das gilt erst recht fürs Business – über den Verstand zu steuern. Analysieren, vergleichen, bewerten, absichern. Doch das reicht nicht mehr, um auch in Zukunft unseren Weg, persönlich und als Entscheider, zu finden.
Denn wir leben bereits heute in einer Geschwindigkeit und Komplexität, in der der Verstand schlicht überfordert ist. Vor allem dann, wenn er mit alten Konzepten, linearen Vergleichen und Vergangenheitsdaten arbeitet.
Der Kopf kommt nicht mehr hinterher. Nur mit dem Verstand agieren wir „kopflos“, wir brauchen mehr Entscheidungsressouren.
Und genau hier wird es für viele Entscheider „unangenehm“ – denn jetzt kommt etwas ins Spiel, das sich nicht beweisen lässt: Gefühl, Intuition, Eingebung. Der Punkt ist: Darin steckt oft mehr Information, als der Verstand jemals liefern kann. Und genau diese Ressourcen brauchen wir mehr und mehr, um uns in dieser Welt zu orientieren.
Natürlich führt das in der Businesswelt zu gewissen Akzeptanzproblemen: Gefühle haben ein schlechtes Image. Ein Gefühl lässt sich nicht präsentieren. Kein Chart, keine KPI, kein Business Case. Sie können nicht erklären, warum es da ist. Und wie wollen Sie dann anderen erklären, warum Sie genau so entscheiden?
Solange die Entscheidung gut ausgeht, applaudieren alle. Geht sie nicht auf, heisst es schnell: „Du hast dich auf dein Gefühl verlassen? Bist du wahnsinnig?“
Und genau deshalb vermeiden so viele Führungskräfte diesen Zugang – obwohl sie ihn im Privaten selbstverständlich nutzen. Wir reden im Business noch immer ungern über Energie und Resonanz. Aber als Menschen leben wir genau danach.
Führung heisst, mehr wahrzunehmen als nur Zahlen
Wir haben verschiedene Energiezentren im Körper. Der Verstand ist eines davon – aber eben nur eines. Ein Energiezentrum, das ich Ihnen nahelegen möchte, finden Sie in Ihrer Körpermitte: Ihr Bauchgefühl.
Die Energie, die dort fliesst und pulsiert, ist die Herzenergie. Die Herzenergie bringt Sie mit ihrer Intuition in Resonanz, sie verbindet Sie mit Ihrem Umfeld, sie sorgt dafür, dass Sie Zusammenhänge erkennen können, die rational nicht erklärbar sind. Sie spüren etwas, ohne es begründen zu können. Und ja, das klingt für manche esoterisch. Aber für jeden, der etwas zu entscheiden hat, ist das eine wirkungsvolle Option.
Eine souveräne Führungskraft ist sich bewusst, dass es Dinge gibt, die man vergleichen und erklären kann – und viele, die man weder vergleichen noch erklären muss. Man weiss, dass es so ist. Auch wenn der Verstand schreit: „Das geht doch nicht!“
Hier beginnt Haltung. Und Mut.
Es geht um Urvertrauen. Um die Fähigkeit, zu sagen: „Ich kann es mir nicht erklären, aber es fühlt sich richtig an.“
Die innere Stimme hören – und ihr folgen lernen
Aber wie machen Sie das konkret? Wie hören Sie diese leise innere Stimme im lauten Alltag?
Die Antwort ist unspektakulär: Es ist eine tägliche Praxis. Beginnen Sie im Kleinen. Nicht bei weltverändernden Entscheidungen, sondern bei banalen.
Ob ich jetzt am Morgen oder am Nachmittag ein Brot kaufen gehe, ist eigentlich nicht entscheidend. Aber was sagt mein Impuls? Welche Option fühlt sich stimmiger an? Was passiert, wenn ich dem ersten Impuls folge – auch wenn er irrational erscheint?
In dieser Praxis wird die leise innere Stimme hörbarer. Das geht auch im Trubel: ein, zwei Minuten innehalten, nachspüren. Welche Gedanken haben Sie zu diesem Thema – und welches Gefühl entsteht daraus? Wenn Sie den Sachverhalt analysieren, sich dazu mehr Fakten und Daten geben lassen, sich die ganze Sache durch den Kopf gehen lassen, verändert sich dann Ihr Gefühl?
Mir liegt es fern, Kopf gegen Gefühl auszuspielen. Die Welt ist so komplex, wir brauchen alle unsere Ressourcen.
Letztlich ist es ein dialektischer Prozess zwischen Bauch und Kopf. Der Verstand liefert Informationen, der Bauch bewertet sie. Verändern neue Fakten das Gefühl – zum Positiven oder Negativen? Beides ist relevant. Aber die finale Entscheidung sollte beim Bauch liegen. Nicht gegen die Fakten, sondern mit ihnen – und trotzdem geführt von innerer Klarheit.
So habe ich damals entschieden. Und so entscheiden heute erfolgreiche Unternehmer, oft ohne es laut auszusprechen. Nicht nur mit dem Kopf, sondern als ganzer Mensch.
Ihr Markus Hotz
