Zukunft ist Beweglichkeit im Kopf und in den Sitzungszimmern

Viele Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit ihren Wettbewerbern. Sie analysieren Marktanteile, Preisentwicklungen und Kundenbedürfnisse. 

Gleichzeitig schenken sie den Kräften, die ihre Branche und die Zukunft grundlegend verändern könnten, oft erstaunlich wenig Aufmerksamkeit. 

So fallen, wie im letzten Blog „Die Wellen haben sich verändert – nur wir nicht“ beschrieben, die Geopolitik und ihre Auswirkungen auf Unternehmen oft unter den Tisch des Sitzungszimmers. 

So gerät bei diesem zu engen Business-Blick vor allem eine Kraft aus dem Fokus: das Mindset der Führungspersönlichkeiten. Bzw. die transformative Kraft, die bei den entscheidenden Menschen ein Blick nach innen haben kann.

Das unternehmerische Denken muss beweglicher werden

Die Zukunft gehört selten denen, die sie am besten vorhersagen. Sie gehört meist denen, die sich am frühesten auf die Zukunft vorbereiten. Davon bin ich überzeugt, und das treibt mich im Businesskontext und als Vater an.

Gerade deshalb lohnt es sich, Unsicherheit nicht als Gegner zu betrachten. Denn Unsicherheit zwingt uns, klarer zu denken. Sie eröffnet neue Perspektiven. Sie fordert uns heraus, Gewohntes zu hinterfragen. Der Gamechanger ist es also, wenn es uns gelingt, uns auf das vorzubereiten, was wir heute noch nicht kennen. Auf das, was uns morgen stark beschäftigen könnte.

Wobei es mir im Businesskontext weniger um Fragen nach dem Muster geht: „Was wird passieren?“ Sondern: „Was würde es für uns bedeuten, wenn es passiert?“

Das klingt nach einem nur kleinen Unterschied. Für ein Unternehmen kann es ein gewaltiger sein.

Auch wenn ich nicht weiß, ob ein Rohstoff dauerhaft knapp wird, kann ich trotzdem darüber nachdenken, wo ich abhängig bin. Auch wenn ich nicht weiß, wie KI meine Branche verändern wird, kann ich trotzdem anfangen, mich mit den möglichen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Auch wenn ich nicht weiß, welche Handelsroute in fünf Jahren noch zuverlässig ist, kann ich trotzdem meine Abhängigkeiten kennen.

Es geht also weniger um perfekte Prognosen als um Beweglichkeit. Und diese Beweglichkeit beginnt nicht bei einer neuen Strategie. Sie beginnt im Kopf. Im Kopf der Führungskräfte. Und das können Sie trainieren. Drei Ideen möchte ich Ihnen gerne skizzieren.

Der Dialog, den Sie mit sich selbst führen

Ich beginne bei mir. Wenn ich merke, dass ich eine Meinung besonders schnell und besonders sicher vertrete, ist das für mich mittlerweile ein Alarmsignal, weil sich hinter dieser Sicherheit Starrheit und Unbeweglichkeit verstecken können. Dann frage ich mich: Wieso denke ich eigentlich, wie ich denke? Und wenn ich weiter so denke – wohin führt das? Welches andere Denken, welches andere Handeln würde zu einem anderen Ergebnis führen?

Das ist eine Art innerer Dialog, ein Self-Coaching, wenn Sie so wollen. Ich vertrete eine Position und sage in derselben Sekunde zu mir selbst: Könnte es nicht auch anders sein? Vielleicht sogar besser, schneller, günstiger? Ich zwinge mich dazu, mich selbst zu challengen und meine eigene These wieder ein Stück weit kaputt zu machen, bevor sie sich festsetzt. 

Das klingt banal. Es ist aber eine der anstrengendsten Übungen, die ich kenne, weil sie sich gegen die eigene Erfahrung richtet – und Erfahrung fühlt sich immer nach Wahrheit an, auch wenn sie das längst nicht mehr ist.

Andere Perspektiven sind kein Luxus

Auch die zweite Praxis betrifft wieder den einzelnen Menschen und seine persönliche Lebensart. Und zwar geht es darum, den Austausch mit Menschen zu suchen, die in einer völlig anderen Welt zu Hause sind. Bei mir ist das oft mein Sohn. Er kommt aus der Designwelt. Er denkt in vielen Fragen völlig anders als ich. Er beschäftigt sich mit Ressourcen, Konsum, Reparierbarkeit und der Frage, wie Wirtschaft künftig aussehen könnte. Vieles davon finde ich faszinierend. Gleichzeitig ertappe ich mich dabei, sofort zu erklären, warum es unter den heutigen Bedingungen so nicht funktionieren kann.

Genau da wird es interessant. Denn vielleicht ist die spannendere Frage nicht: „Warum funktioniert das heute nicht?“ Sondern: „Was müsste sich verändern, damit es funktionieren könnte?“ Das ist ein anderer Blick auf die Welt.

Dazu gehört für mich übrigens auch, mich nicht nur innerhalb der eigenen Informationsblase zu bewegen. Wer immer nur dieselben Medien, Experten und Meinungen konsumiert, bekommt irgendwann vor allem Bestätigung für das, was er ohnehin schon denkt. Auch hier kann es sinnvoll sein, bewusst andere Perspektiven zu suchen. Und diese anderen Perspektiven in ihrer, auch unbequemen Andersartigkeit zu respektieren, sie also nicht dadurch zu entschärfen, indem Sie sie sofort in Ihre gewohnten Raster einordnen, sie mit richtig oder falsch oder gut oder schlecht oder wie auch immer bewerten.

Solche anderen Perspektiven sind für uns weder eine Gefahr, noch ein Luxus. Sie in ihrer Eigenart zu verstehen zu versuchen, sie zu durchdenken, die eigene, auch emotionale Reaktion auf sie zu hinterfragen, trainiert die Beweglichkeit unserer Köpfe und Herzen.

Frischer Wind in den Sitzungszimmern

Die dritte Praxis findet nicht in meinem oder Ihrem Kopf statt, sondern im Unternehmen. Ich halte es für äusserst produktiv und für den Erfolg in der Zukunft bedeutend, bewusst Leute ins Unternehmen zu holen, die nicht seit Jahrzehnten in der Branche verwurzelt sind: Quereinsteiger, jüngere Generationen mit anderen Prägungen. Menschen, die noch nicht wissen, wie man es „schon immer“ gemacht hat, und deshalb Fragen stellen, die auf den ersten Blick vielleicht naiv wirken – und auf den zweiten Blick genau die richtigen sind.

Setzen Sie also nicht automatisch die erfahrenen Silberrücken auf die wichtigen Positionen, sondern auch mal jemanden, der etwas infrage stellt, das im Raum als selbstverständlich gilt. 

Das verlangt einem natürlich einiges an Mut ab, sein Unternehmen so aufzustellen. Weil das Alte auf diese Weise in Frage gestellt wird. Weil diese Erfahrungen – vor allem, wenn die entscheidenden Menschen bereit sind, den Blick nach innen zu richten, den inneren Dialog und den Austausch zu suchen – für Reibung im Unternehmen sorgen: Veränderung wird zum Daily Business. Und so entsteht im Unternehmen, in den Köpfen der Menschen, und zwischen den Menschen eine Beweglichkeit, die für mehr Widerstandsfähigkeit gegen herausfordernde Veränderungen sorgt. Für eine erfolgreichere Zukunft.

Ihr Markus Hotz

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Die Wellen haben sich verändert – nur wir nicht

Egal, ob aus dem Engadin, von Hawaii oder von einem anderen schönen Plätzchen dieser Welt: Markus Hotz schickt Ihnen Geschichten aus seinem Leben als Transformator, schenkt Ihnen Denkanstösse und versetzt Ihnen den manchmal nötigen Push in einer Zeit der Veränderung – ohne Jammern, dafür mit ansteckendem Tatendrang. Und weil sein Sport bei ihm eine hohe Priorität hat, auch sicherlich nicht zu oft.

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